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Praxisorientierte Politik erforderlich

15.05.2000
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-PolitikGovi-Verlag

37. WIRTSCHAFTSFORUM DES DAV

Praxisorientierte Politik erforderlich

von Hartmut Morck, Berlin

Mit der Frage der zukünftigen Gestaltung der Gesundheitspolitik setzte sich Hermann Stefan Keller, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes e.V., in seinem politischen Lagebericht auseinander. In fünf Thesen fasste er die Forderungen der Apothekerschaft an die Politik zusammen.

1.These: Die Arzneimittel-Versorgung ist und bleibt Sache der Apotheker!

Mit der ersten These wollte Keller auch eine klare Trennung zwischen Krankenhausapotheken und öffentlichen Apotheken markieren. Er widersetzte sich damit den Wunschträumen einiger Krankenkassenvertreter, Arzneimittel quasi zum Nulltarif in den ambulanten Bereich zu bringen. Das Preisbildungssystem würde dadurch verändert mit der Konsequenz, dass die Summe aller Arzneimittelkosten im ambulanten und stationären Bereich steigen würden. Die Kollegen aus dem Krankenhaus teilten diese Meinung. Mit der Krankenhausgesellschaft sei man in einen konstruktiven Dialog getreten.

Die Arzneimittel-Versorgung sei aber auch keine Angelegenheit der Ärzte. Keller lehnte jede Form eines Dispensierrechtes der Ärzte kategorisch ab. Das gleiche gelte für den Versandhandel mit Arzneimitteln, auch wenn "selbst ernannte Experten" und Krankenkassen nicht müde würden, den Arzneimittelversand immer wieder zu fordern. Bundestag, Bundesrat und auch die Bundesregierung, insbesondere in der Person des Wirtschaftsministers, wisse man auf der Seite der Apothekerschaft. Die USA seien hier sicher kein Vorbild. Dort versuche die Clinton-Administration vergeblich den Versandhandel mit Arzneimitteln wieder einzufangen.

2. These Die Arzneimittel-Versorgung in Deutschland braucht keine Experimente, sondern verlässliche Rahmenbedingungen.

Mit dieser These appellierte Keller auch den Marktpartner Industrie, nicht mit unbedachten Äußerungen über zu hohe Vertriebskosten bei den Arzneimitteln das gesamte System in Frage zu stellen. Mit solchen Behauptungen könnte der Konsens in der Wertschöpfungskette gefährdet werden. Das gemeinsame Ziel sollte vielmehr lauten: Nicht am, sondern mit dem Arzneimittel sparen. Wer das System durch Einkaufsmodelle, Abschaffung von Selbstverwaltungsstrukturen oder selektiven Verträgen verändern will, sollte auch an die Folgen denken. Das Beispiel USA zeige, dass solche Systeme in die falsche Richtung liefen. Nur starke Verbände mit funktionierender Selbstverwaltung seien in der Lage, konsensfähige Lösungen für die Praxis zu erarbeiten, so das Votum des Verbandsvorsitzenden.

3. These Die Rahmenbedingungen müssen sicher stellen, dass die Patienten am Arzneimittel-Fortschritt teilhaben können.

Im Zusammenhang mit dieser These lobte Keller ein offensichtlich nicht abgestimmtes Papier der SPD, das Anfang März in die Öffentlichkeit gelangte. In diesem gelangte die SPD-Gesundheitsexpertin Gudrun Schaich-Walch zu der Einsicht, dass die SPD sich von dem untauglichen Steuerungsinstrument der kollektiven Einstandspflicht für Budgetüberziehungen trennen und durch fachgruppenspezifische Richtgrößen ersetzen sollte. Diese Auffassung decke sich inhaltlich voll mit der des DAV, denn Budgets würden zu Rationierungen bei den Arzneimitteln führen mit der Folge, dass die Versicherten nicht mehr optimal versorgt würden. Außerdem forderte Keller eine praxis- und patiententaugliche Lösung für Importarzneimittel, die Retaxationsstreitigkeiten drastisch reduzieren könnte.

4. These Das Gesundheitswesen muss den technologischen Fortschritt nutzen. Wir sind bereit, die Telematik dem Gesundheitswesen dienstbar zu machen.

In der Kombination von Telekommunikation und Informatik, sieht Keller eine große Chance, die Kommunikation in der Arzneimittelversorgung zu verbessern. Deshalb habe sich der DAV auf diesem Gebiet stark engagiert. Die vorbereitenden Arbeiten seien abgeschlossen. Jetzt sollte mit den Partnern ein Feldversuch gestartet werden, um die Praktikabilität zu testen.

Mit der Gründung der Gesellschaft für zentrales Datenmanagement und Statistik im Gesundheitswesen (GDSG), in der sich apothekeneigene und private Rechenzentren zusammengeschlossen haben, sei die Basis geschaffen worden, der GKV, der KBV und der Politik eine dauerhaft stabile und kostengünstige Informationslösung anzubieten, die binnen weniger Monate umgesetzt werden könne und zeitnah die Daten garantiere, die zur Systemsteuerung erforderlich seien.

5. These Fortschritt im Gesundheitswesen betrifft nicht nur die Technik, sondern auch Versorgungsstrukturen. Wir Apotheker haben eine Antwort auf die Vernetzung im Gesundheitswesen: die Pharmazeutische Leistungsgemeinschaft.

Mit dieser These thematisierte Keller die Befürchtung in Richtung Politik und Krankenkassen, dass durch Integrationsversorgung und Vernetzung im Zusammenhang mit der "Capitation-Finanzierung" (gleich Kopfgeld-Pauschalen) der Weg zu Risikoselektion geöffnet würde. Das sei patientenfeindlich. Eine Zersplitterung des Versorgungssystem müsse vermieden werden. Dieser Entwicklung setze der DAV das Pharmazeutische Leistungsangebot entgegen. Zur Zeit würde unter Beteiligung der Apothekerkammern ein Handbuch zusammengestellt, das die Leistungsangebote der Apotheker für eine bessere Kooperation im Gesundheitswesen beschreibt. Keller: "Als Pharmazeutische Leistungsgemeinschaft bieten wird viel: Das reicht von der gemeinsamen Abstimmung des pharmazeutischen und ärztlichen Notdienstes und besonderen pharmazeutischen Therapiepaketen bis hin zu Managementleistungen für Ärzte in der Arzneimittelversorgung.

Wir bieten auch die Festlegung der Arzneimittelauswahl durch den Apotheker mit aut idem und weitere besondere pharmazeutische Leistungen, wie Zytostatikaversorgung und enterale wie parenterale Ernährung, bis hin zur Realisierung des Elektronischen Rezeptes an. "Der Vorteil dieses Paketes sei die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Apotheker. Außerdem würden diese Leistungen allen angeboten. Erstmals in Deutschland wird, so Keller, ein Modellversuch zur pharmazeutischen Leistungsgemeinschaft in Flensburg durchgeführt.

Abschließend forderte Keller eine praxisorientierte Politik im Gesundheitswesen. Gleichzeitig signalisierte er die Bereitschaft der Apothekerschaft, im Dialog an der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens mitzuwirken.Top

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