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HIV-Forschung: Entwicklungen und Perspektiven

25.05.1998
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Govi-Verlag

HIV-Forschung: Entwicklungen
und Perspektiven

Sollen Mediziner weiterhin früh mit einer hochaktiven antiretroviralen Therapie beginnen, um die Klone der HIV-spezifischen cytotoxischen CD4-Lymphozyten zu erhalten, oder ist ein verzögerter Einsatz vorzuziehen, um die Gefahr des vorzeitigen Verlustes der therapeutischen Optionen zu vermeiden? Das Dilemma der Ärzte in der Therapie der HIV-Infektion schilderte Dr. Jörg Gölz, Berlin, während einer Pressekonferenz der Glaxo-Wellcome am 30. April 1998 in Hamburg.

Sowohl die Bestimmung der Virusbeladung als entscheidender prognostischer Faktor als auch die Einführung der Protease-Inhibitoren brachten zum Jahreswechsel 1995/96 in der Behandlung der HIV-Infektion eine entscheidende Wende. Auf der 11. World Aids Conference 1996 in Vancouver formulierten Wissenschaftler das neue therapeutische Paradigma "Hit hard and early" mit dem Ziel, das Virus innerhalb von drei Jahren zu eliminieren.

Mit den Dreifachkombinationen aus zwei Nukleosidanaloga, sprich: Reverse Transkriptase-Inhibitoren (Zidovudin, Lamivudin, Didanosin, Zalcitabin, Stavudin) und einem Protease-Hemmer (Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir) oder einem nicht-nukleosidischen RT-Inbibitor (Nevirapin, Delavirdin) als Goldstandard habe sich das Bild in den HIV-Schwerpunktpraxen fundamental verändert, betonte Gölz. Es sei eine dramatische Reduktion der HIV-assoziierten Erkrankungen, der opportunistischen Infektionen und Tumoren, der stationären Aufenthalte und der Sterberate sowie ein außergewöhnlicher Gewinn an Lebensqualität, Lebensmut und Lebensfreude der Patienten zu verzeichnen.

Aufgrund der komplizierten Therapieregimes mangele es jedoch bei einem großen Teil der Betroffenen an Compliance. Die Möglichkeiten der Kombinationstherapien seien schneller erschöpft als Studien erwarten ließen. Viele Patienten drohen nach Nutzung des vorhandenen therapeutischen Medikamentenarsenals in therapeutische "Löcher" zu fallen, bevor neue Medikamente verfügbar sind, betonte der Referent. Die Einführung fixer Wirkstoffkombinationen wie Combivir (Lamivudin und Zidovudin) zum 1. April 1998 sei zu begrüßen, da durch Verringerung der täglichen Tablettenbelastung die Compliance verbessert und die Resistenzentwicklung verzögert werden kann.

Heute wisse man, daß eine Virus-Eradikation mit den vorhandenen Substanzen nicht gelingt. Die antiretrovirale Therapie sei nicht in der Lage, infizierte Zellen zu erreichen, die ruhend in verschiedenen Körperkompartimenten versteckt sind. Im Moment herrsche Unsicherheit über die richtige therapeutische Strategie. Ein Teil der Ärzte halte am Paradigma "Hit hard and early" fest und begründe dieses mit dem Erhalt der HIV-spezifischen cytotoxischen Lymphozyten - der vom Körper in der Anfangszeit gebildeten potenten Abwehr, die im Laufe der Infektion verloren geht.

Zwar werde der kombinierte Einsatz mit Interleukin diskutiert, um ruhende infizierte Zellen zur Virusbildung anzuregen und damit eine Eradikation zu erreichen, doch plädiere ein anderer Teil der Therapeuten für den nicht zu frühen Einsatz der heute üblichen antiretroviralen Therapie: Die Kombinationstherapien seien nicht als Durchbruch zur Heilung der HIV-Infektion zu verstehen. Sie ermöglichen lediglich den Aufschub der Krankheitsprogression, mit dem die Patienten in eine Zeit neuer Strategien hinüber gerettet werden können, so Gölz.

In Deutschland stehen zur Therapie von HIV-Infektionen derzeit elf Medikamente zur Verfügung; weitere sind in der Erprobung. Als vielversprechende Substanzen bezeichnete Dr. Angela B. Maas, Hamburg, den Reverse-Transkriptase-Inhibitor Abacavir sowie den Protease-Hemmer Amprenavir. Die zwei Substanzen befinden sich derzeit in der klinischen Prüfung. Ihre Zulassung in Europa und den USA soll noch innerhalb dieses Jahres beantragt werden.

Getestet werde unter anderem die Kombination aus Abacavir, Lamivudin (3TC) und Zidavudin (AZT). Günstig sei, daß alle drei Substanzen nur zweimal täglich eingenommen werden müssen. Diese Dreifach-RTI-Therapie könnte eine Alternative zu Protease-Inhibitor-haltigen Therapieregimes darstellen, so Maas.

Die Zukunft des Patientenmanagements bei der HIV-Infektion werde ganz wesentlich von der quantitavien Bestimmung der Virus-RNA durch PCR, bDNA und NASBA mit paralleler Analyse eventuell unwirksamer Medikamente durch genotypische oder phänotypische Resistenzbestimmung und einer darauf abgestimmten antiretroviralen Therapie geprägt. Regelmäßige Kontolluntersuchungen stellen die Wirksamkeit der momentanen Kombinationstherapie sicher. so Dr. Heiko Petersen, Hamburg

Von den 50.000 bis 60.000 HIV-Infektionen in Deutschland sind zu 80 Prozent Männer betroffen. Seit 1982 wurden 17.283 AIDS-Fälle gemeldet, von denen 11.099 verstorben. Die Zahl der Neuinfektionen beträgt 2000 bis 2500 pro Jahr.

PZ-Artikel von Christiane Berg, HamburgTop

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