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Netzwerk Herz beginnt in Berlin

23.06.2003
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Netzwerk Herz beginnt in Berlin

von Dagmar Knopf, Berlin

Diesen Monat starten zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte medizinische Netzwerke in Berlin. Die Teilgebiete Herzinsuffizienz und Angeborene Herzfehler vereinen sich zum Kompetenznetz Herz.

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit jeweils 2,5 Millionen Euro beginnen diesen Monat zwei neue Netzwerke in Berlin ihre Arbeit. Unter der Leitung von Professor Dr. Rainer Dietz, Charité Berlin, widmet sich das Netzwerk Herzinsuffizienz der häufigen Herzerkrankung, von der fünf Prozent der über Siebzigjährigen betroffen sind. Das zweite vom BMBF finanzierte Netzwerk – Angeborene Herzfehler – leitet Professor Peter Lange, Leiter der Klinik für angeborene Herzfehler des Deutschen Herzzentrums Berlin. Beide Kompetenznetze schließen sich in Berlin zum Gesamtnetzwerk Herz zusammen.

In Deutschland gibt es weder für Herzinsuffizienz, noch für angeborene Herzfehler verlässliche Langzeitstudien, sagte Professor Dr. Roland Hetzer, Direktor des Deutschen Herzzentrums in Berlin, in seiner Rede anlässlich der Eröffnung vergangene Woche. Momentan beziehen sich Mediziner deshalb auf amerikanische Daten. Ein nationales Register soll nun Abhilfe schaffen.

So ist zum Beispiel die Behandlung erwachsener Patienten mit angeborenen Herzfehlern oftmals schwierig, da den meisten Kardiologen Erfahrungen auf diesem Gebiet fehlen, Kinderkardiologen mit ihrem reichen Fachwissen hier aber nicht mehr zuständig sind. Im Jahr 2015 werden aber allein in München und Berlin 9000 erwachsene Patienten mit angeborenen Herzfehlern leben. Um ihre Behandlung zu verbessern, sollen sich im Kompetenznetzwerk Angeborene Herzfehler auch weiterhin Kinderkardiologen um diese Patienten kümmern.

Deutschlandweit leben circa 300.000 Patienten aller Altersklassen mit einem angeborenen Herzfehler. 0,7 bis 0,8 Prozent aller Lebendgeburten ist von dieser häufigsten angeborenen Erkrankungen betroffen, 6000 Neugeborene jährlich. Zwar ist die Überlebensrate mit 90 Prozent – zumindest in den großen Herzzentren – sehr hoch, doch meist bleiben die Patienten chronisch krank, müssen Medikamente einnehmen und medizinisch betreut werden. Sinn des Netzwerkes ist es deshalb unter anderem, die Lebensqualität zu erhöhen. Nicht nur für die Patienten selbst, sondern auch für ihre Angehörigen.

So soll auch hier, wie bei der Herzinsuffizienz, ein nationales Register entstehen, in dem Herzfehler festgehalten und der kleine Kreislauf näher untersucht werden können. Besonderen Wert legen die Ärzte auf die Echokardiographie, mit deren Hilfe die Funktion des kompliziert aufgebauten rechten Ventrikels besser dargestellt werden kann.

Herzinsuffizienz besser behandeln

Zur Behandlung der Herzinsuffizienz gibt es zwar eine Vielzahl wirksamer Medikamente wie Betablocker und ACE-Hemmer, doch der momentane Stand des Wissens erreicht die therapierenden Hausärzte nur unzureichend. 60 Prozent der Patienten sind mit Medikamenten untersorgt. Die Mediziner verordnen im Schnitt nur die Hälfte der wirksamsten Dosis von Betablockern und ACE-Hemmern. Grund ist neben dem mangelnden aktuellen Fachwissen der Ärzte eine auf den ersten Blick unsinnig erscheinende Behandlung und eine manchmal erst verzögert eintretende Besserung der Symptome. Da sowohl Arzt als auch Patient jedoch eine sofortige Wirkung von einer Medikamentenumstellung erwarteten, seien Enttäuschungen vorprogrammiert, äußerte Dietz. Der in den Leitlinien zusammengefasste aktuelle Wissensstand soll nun durch das Kompetenznetz Herzinsuffizienz an die niedergelassenen Ärzte weitergegeben werden. Neben der Grundlagenforschung soll besonders das bereits bekannte Wissen komprimiert weitergeben werden, etwa in Patientenseminaren und Fortbildungen für niedergelassene Ärzte.

Durch die enge Vernetzung unterschiedlicher Standorte, Institute und Projekte soll das Gesamtnetzwerk Herz zukünftig nicht nur die Forschungsergebnisse verbessern, sondern auch die Öffentlichkeit stärker informieren. Und dabei nicht zuletzt Patienten und Angehörige, die über ihre eigene Krankheit oft nur wenig wissen – zu wenig, nach Meinung vieler Experten. Top

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