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Vom Tabu zur Akzeptanz

07.08.2000
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-MedizinGovi-Verlag

Vom Tabu zur Akzeptanz

von Christiane Berg, Hannover

Erschreckend: Auch in unserem scheinbar aufgeklärten Zeitalter gelten zahlreiche Erkrankungen noch immer als Tabuthema, wird das körperliche Leid der Betroffenen durch Scham und Angst vor Isolation noch zusätzlich verstärkt. Dass hier noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist, zeigte die Pressekonferenz "Krankheiten, über die man nicht spricht" von GlaxoWellcome am 25. Juli in Hannover.

So wird zum Beispiel die Diagnose Epilepsie von vielen Patienten mit großer Bestürzung als schwerer Schicksalsschlag vor allem auf Grund der damit verbundenen Stigmatisierung und Diskriminierung erlebt, sagte Dr. Stefan R.G. Stodieck aus Hamburg.

Tag der Epilepsie

Seit der Antike haben Ärzte versucht, die "Fallsucht" als natürliche Erkrankung im Bewusstsein der Menschen zu verankern – bislang ohne Erfolg. Bis heute werde die Epilepsie, die durch eine Prävalenz von 1 Prozent gekennzeichnet ist, noch immer mit "Besessenheit" durch übernatürliche und dämonische Kräfte in Zusammenhang gebracht oder gar mit Exorzismus behandelt.

Stodieck beklagte, dass die Öffentlichkeit „so gut wie nichts„ über das eigentliche Krankheitsbild weiß, jedoch alte und völlig unbegründete Vorurteile noch immer präsent sind. Epileptiker leiden häufig viel weniger unter ihren Anfällen als unter den Vorurteilen der Mitmenschen und den negativen psychosozialen Folgen mit schlechteren Chancen in der Ausbildung und im Beruf, schilderte er seine Erfahrungen. Der Referent appellierte, den 5. Oktober 2000 als "Tag der Epilepsie" zum Abbau von vorgefassten Meinungen zu nutzen.

HIV: Neues Problembewusstsein

Ein neues Problembewusstsein muss auch bei HIV und Aids geschaffen werden, betonte Ulli Meurer von der ehemaligen Aidshilfe in Berlin. Die epidemiologische Entwicklung der letzten Jahre zeige, dass sich das HIV-Übertragungsgeschehen nicht mehr nur bei Homosexuellen überdimensional entwickelt. Es seien zunehmend Frauen sowie Angehörige von Randruppen wie Migrantinnen und Migranten, die von HIV und Aids betroffen sind.

Meurer fordert individuelle Kampagnen und adäquater Strategien zu entwickeln, die den Besonderheiten dieser Gruppen gerecht werden. Fatal wäre es, wenn auf Grund aktueller Sparzwänge finanzielle Mittel für die Primärprävention zurückgefahren werden. Dieses sowie der derzeit lebende "Mythos der Behandelbarkeit" werde zu einem eklatanten Anstieg der Zahl der Neuinfektionen führen.

Alzheimer: öffentliche Aufgabe

"Überwältigend und beunruhigend" nannte Privatdozent Dr. Lutz Fröhlich, Frankfurt am Main, die Tatsache, dass auf Grund der Überalterung der Gesellschaft und dem damit exponentiell steigenden Erkrankungsrisiko im Jahr 2010 in Deutschland mit 1,8 Millionen Alzheimer-Patienten zu rechnen ist. Fröhlich sprach von einem Problem, das in seiner Größe bislang noch nicht richtig wahrgenommen wird. Da immer mehr Männer und Frauen auch im höheren Lebensalter in Einpersonenhaushalten leben, werde die Versorgung von Demenz-Erkrankten zu einer öffentlichen Aufgabe mit erheblichen Belastungen für die Gesundheits- und Sozialhaushalte der Kommunen.

Diagnostik und Therapie hätten in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, die jedoch im Behandlungsalltag nur in einem „beschämend geringen„ Umfang genutzt werden, so der Referent, der von unklaren diagnostischen Konzepten, überholten ätiologischen und pathogenetischen Vorstellungen, der Angst vor Fehldiagnosen und der Unterschätzung therapeutischer Erfolgsaussichten sprach. Hinzu komme, dass das Alter gesellschaftlich "defizitär besetzt" sei. Dieses stehe d er rechtzeitigen Identifizierung von Demenzen entgegen.

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