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Stille Schweizer

20.08.2001
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PHARMAKONZERNE

Stille Schweizer

von Gisela Mackensen, Basel

Während der deutsche Bayer-Konzern mit massiven Problemen durch den Rückruf des Cholesterin-Senkers Lipobay zu kämpfen hat, stehen die Schweizer Konkurrenten Novartis und Hoffmann-La Roche recht solide da.

Nach Hoffmann-La Roche legte auch Novartis positive Zahlen für das 1. Halbjahreszahlen 2001 vor. Novartis steigerte den Reingewinn um 10 Prozent auf 3,7 Milliarden Franken (2,5 Milliarden Euro) und den Umsatz um 11 Prozent auf 15,5 Milliarden Franken. Das Wachstum kam hauptsächlich aus der Pharma-Sparte, die zwei Drittel zum Gesamterlös beiträgt. In den USA, dem wichtigsten Markt, betrug das Umsatz sogar 21 Prozent. Dabei zahlten sich offensichtlich überproportionale Investitionen in Marketing und Vertrieb aus. Auch im Gesamtjahr rechnet der Pharma-Konzern mit zweistelligen Zuwachsraten und erwartet "rekordhohe Ergebnisse".

Am Vortag hatte Roche-Chef Franz Humer beim Umsatz ein Plus von 6 Prozent auf 14,5 Milliarden Franken im 1. Halbjahr 2001 verkündet. Der Gewinn blieb mit 3 Milliarden Franken jedoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unverändert. Über die Aussichten für das ganze Jahr äußerte sich Humer zurückhaltend. Der Pharma-Sektor werde wohl ein gutes einstelliges Plus aufweisen, meinte er.

Dabei hatten beide Baseler Großkonzerne seit Jahresbeginn mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Roche verzeichnete im 1. Quartal dieses Jahres stagnierende Erlöse im Pharma-Geschäft. Im Mai musste Humer ein Sparprogramm und die Streichung von 3000 der weltweit rund 65.000 Stellen innerhalb von drei Jahren ankündigen. Zu allem Überfluss hatte wenige Wochen zuvor der benachbarte Konkurrent Novartis noch 20 Prozent am Roche-Kapital vom Schweizer Investor Martin Ebner gekauft, so dass schon Fusionsgerüchte bei dem weiter von den Gründerfamilien kontrollierten Konzern die Runde machten.

Auch bei Novartis sah in den ersten Monaten nicht alles rosig aus. Nicht alle Medikamente erhielten die Behördenzulassungen zur geplanten Zeit. So sträubte sich beispielsweise die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA, das neue Reizdarm-Medikament Zelmac zu genehmigen, von dem sich das Unternehmen ein riesiges Geschäft erhofft. Zuvor hatte schon die EU wegen Meinungsverschiedenheiten über die Wirksamkeit des völlig neuen Medikaments ihre Zustimmung verweigert.

Von einem Debakel wie bei Bayer blieben die Basler Pharma-Riesen bisher jedoch verschont. Dass sie von den Schwierigkeiten des Konkurrenten profitieren wollen, daran besteht kein Zweifel. Novartis bot in ganzseitigen Zeitungsannoncen sein Mittel Lescol als Ersatz für das Bayer-Produkt an. "Lescol hat keine vergleichbaren Nebenwirkungen (wie Baycol) gezeigt. Es ist ein sehr sicheres Mittel", versicherte Novartis-Finanzchef Raymund Breu. Zu einer Partnerschaft, wie sie Bayer für seine Pharma-Sparte ins Gespräch gebracht hat, wollte er sich jedoch nicht äußern.

Auch Roche wollte sich an den Spekulationen um Bayer nicht beteiligen. Humer äußerte sich dazu ähnlich wie schon nach dem spektakulären Aktienpaketkauf durch Novartis. Der Konzern wolle aus eigener Kraft wachsen, was Kooperationen und auch Zukäufe nicht ausschließe. Eine Großakquisition stehe jedoch nicht zur Debatte.Top

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