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Erblindungsprozess mit RNA-Interferenz aufhalten

05.09.2005
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Makuladegeneration

Erblindungsprozess mit RNA-Interferenz aufhalten

von Désirée Kietzmann, Berlin

Die altersabhängige Makuladegeneration ist eine Sehstörung, die durch zunehmende Beeinträchtigung des zentralen, also des scharfen Sehens gekennzeichnet ist. Hoffnung bietet den Betroffenen eine neue Behandlungsmethode, die den Verlauf der Netzhauterkrankung stoppen soll. Als mögliche Prophylaxe wird eine optimale Nährstoffversorgung diskutiert.

Etwa ein Viertel aller Deutschen über 65 Jahren leidet an der altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Bei der Erkrankung kommt es zum Verlust der Zapfen im Bereich der Makula lutea (gelber Fleck), der Stelle des schärfsten Sehens. Sie führt zwar im Endstadium nicht zur Erblindung, aber Lesen und Auto fahren sind zum Beispiel nicht mehr möglich.

Es werden zwei Formen unterschieden: die feuchte, dramatisch verlaufende und die häufigere trockene und langsam fortschreitende Makuladegeneration. Bei Letzterer wird eine Überlastung des Pigmentepithels, das abgestoßene Fragmente der Photorezeptoren abbaut, als Ursache vermutet. Wenn das Epithel die Abbauprodukte nicht mehr verarbeitet, gehen die Zapfen zu Grunde. Stimuliert durch den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) wachsen bei der feuchten Form neue, unphysiologische Blutgefäße in die Aderhaut ein und schädigen das Gewebe durch Flüssigkeitsaustritt.

Die bisherigen Behandlungsmethoden zielen auf die neu gebildeten Blutgefäße ab und eignen sich daher nur zur Therapie der feuchten Form. Die älteste Therapie ist die Verödung der krankhaft gebildeten Gefäße mit Hilfe eines Argon-Lasers. Meistens werden dabei jedoch auch benachbarte gesunde Sinneszellen zerstört. Bei der photodynamischen Therapie hingegen wird der Photosensitizer Verteporfin (Visudyne®) infundiert, der sich vorwiegend in proliferierenden Geweben anreichert. Durch die Bestrahlung mit nicht thermischem Laserlicht verklumpt das Blut. Diese künstlich erzeugte Thrombose führt zu einem selektiven Verschluss der Gefäße.

Einen neuen Therapieansatz stellt die RNA-Interferenz (RNAi) dar. Hierbei handelt es sich um einen bei Pflanzen und Tieren natürlich vorkommenden Mechanismus, der spezifisch Gene ausschaltet. Ursprünglich diente er wahrscheinlich der Virusabwehr. Ziel einer RNAi-Therapie ist es, gezielt die Synthese bestimmter Genprodukte durch Abbau der zugehörigen mRNA zu hemmen.

Als Target fungieren im Falle der AMD die Transportformen der Gene, die für VEGF beziehungsweise seinen Rezeptor codieren. Bei beiden Ansätzen, die sich derzeit in Phase-I-Studien befinden, soll die Ausbildung neuer Blutgefäße und damit das Fortschreiten der feuchten AMD unterbunden werden.

Bei der RNAi wird doppelsträngige RNA in die Zellen eingebracht. Die Nuclease Dicer schneidet diese in kleine, etwa 21 Nukleotide lange Stücke, die so genannte small interfering RNA (siRNA). Diese RNA-Schnipsel aktivieren den »RNA induced silencing complex« (RISC), der mit Hilfe komplexeigener Enzyme den Doppelstrang der siRNA auftrennt. Nach Anlagerung der komplementären mRNA wird diese zerschnitten. Die Synthese der unerwünschten Proteine wird somit ausgeschaltet.

Die AMD eignet sich im Gegensatz zu anderen Krankheiten sehr gut für eine RNAi-Therapie. Da die RNA direkt ins Auge gespritzt werden kann, ist sichergestellt, dass alle betroffenen Zellen erreicht werden. Jedoch birgt eine Injektion ins Auge auch neue Risiken. Ob sich die Methode wirklich als sicher und effizient erweißt, muss in weiteren klinischen Studien getestet werden.

Mit Nährstoffkomplex vorbeugen

Da die bereits vorhandenen Gefäße auch mit einer RNAi-Behandlung nicht entfernt werden, kommt der Früherkennung der AMD die zentrale Rolle zu. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach Präventionsmöglichkeiten. Eine wichtige Rolle schreibt die Ökotrophologin Ulrike Gonder der Ernährung zu. »Das Auge braucht mehr als Möhren«, betonte sie auf einer von Dr. Willmar Schwabe unterstützten Pressekonferenz. Vitamin A sei wichtig, aber nicht das Einzige, was für eine optimale Versorgung des Auges notwendig ist.

Vor allem im Zusammenhang mit der AMD verwies Gonder auf Studien, die belegten, dass ein Voranschreiten des Sehverlusts durch Zinkgabe abgebremst werden kann. Zink ist nicht nur an der Umwandlung von Retinol in Retinal verantwortlich, sondern auch Bestandteil antioxidativer Enzyme. Zusammen mit weiteren Antioxidantien aus der Nahrung wie Vitamin E und Flavonoiden schützt Zink das Auge somit vor der Schädigung durch freie Radikale.

Namensgeber des gelben Flecks sind die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin, welche in besonders hoher Dichte im Bereich der Makula vorkommen. Sie absorbieren energiereiches Blau- und UV-Licht und schützen somit vor der Bildung freier Radikale. Auf Grund dieser Eigenschaft ist das essenzielle Duo bereits seit längerem als Protektor vor einer AMD in der Diskussion.

Professor Dr. Georg Michelson von der Augenklinik, Universität Erlangen-Nürnberg, bezeichnete eine ausreichende Zufuhr von Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren als medizinisch sinnvoll. Zusätzlich sollte das Auge durch eine Sonnenbrille mit UV-A, UV-B und UV-C-Filter geschützt werden, so der Augenarzt. Als wichtige Präventionsmaßnahme regte der Augenarzt Screeninguntersuchungen der Makula ab dem 45. Lebensjahr an. Weiterhin empfahl er allen Rauchern die Entwöhnung, da sich ansonsten ihr Risiko für eine AMD verdopple. Top

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