Knigogo online

Typ-II-Diabetes: Klare Daten für die Therapie

26.10.1998
Datenschutz bei der PZ

-Medizin

Govi-Verlag

Typ-II-Diabetes: Klare Daten für die Therapie

Je besser der Blutzucker dem Normwert angenähert und je deutlicher ein Bluthochdruck gesenkt werden, um so günstiger sind die Prognosen für den Typ-II-Diabetiker. Beide Maßnahmen reduzieren das Risiko für Diabetes-spezifische tödliche und nicht tödliche Komplikationen. Wie Blutzucker und Blutdruck gesenkt werden, scheint dagegen eher zweitrangig zu sein. Das sind wichtige Ergebnisse einer randomisierten prospektiven Multicenterstudie, deren Zehn-Jahres-Ergebnisse kürzlich veröffentlicht wurden.

Insgesamt 5102 frisch diagnostizierte Typ-II-Diabetiker nahmen an der United Kingdom Diabetes Prospective Study (UKDPS) teil. Da diese vor über zwanzig Jahren konzipierte Studie viele praxisrelevante Fragen beantworten sollte, war ein kompliziertes Design mit diversen Teilstudien entworfen worden. Drei Zielgrößen wurden definiert:

  • Tod durch Diabetes-spezifische Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere Gefäßerkrankungen, Nierenerkrankungen sowie Hyper- und Hypoglykämien,
  • nicht tödliche spezifische Ereignisse, zum Beispiel Herzinfarkt, Angina pectoris, ischämische Herzerkrankung oder Komplikationen an Auge oder Nieren und
  • Gesamtmortalität.

Beim HbA1C zählt jedes Prozent

Der blutzuckersenkende Effekt konnte in einem Studienarm mit 3867 Patienten nachgewiesen werden. Trotz dreimonatiger Diät hatten die Studienteilnehmer einen Nüchternblutzucker über 6 mmol/l (108 mg/dl). Ziel der intensiven Therapie mit Sulfonylharnstoffen (Chlorpropamid, Glibenclamid) oder Insulin war es, den Wert unter 6 mmol/l zu senken. Die konventionell diätetisch behandelte Gruppe strebte den am besten erreichbaren Blutzucker an, der in jedem Fall unter 15 mmol/l liegen sollte (ansonsten wurde medikamentös behandelt).

Nach einer Beobachtungszeit von etwa zehn Jahren unterschied sich der HbA1C-Wert um knapp einen Prozentpunkt: 7,0 Prozent in der intensiv behandelten Gruppe gegenüber 7,9 Prozent (konventionell). Das Risiko von Komplikationen nahm aber deutlich ab: Die Zahl aller spezifischen Endpunkte war bei den intensiv behandelten Patienten um 12 Prozent niedriger, das Risiko zu sterben um 10 Prozent. Mikrovaskuläre Erkrankungen nahmen um ein Viertel ab. Allerdings steigerten diese Patienten ihr Gewicht deutlich (durchschnittlich 2,9 kg); vor allem die mit Insulin behandelten Patienten brachten im Mittel 4 kg mehr auf die Waage. Hinsichtlich der Prognose und der blutzuckersenkenden Wirkung unterschieden sich die drei Wirkstoffe nicht.

Die Monotherapie mit Metformin erwies sich bei übergewichtigen Diabetikern als sehr günstig. In einer Teilstudie erhielten 342 Patienten das Biguanid, 411 sollten Diät halten. Der mediane HbA1C-Wert sank unter Metformin auf 7,4 gegenüber 8,0 Prozent. Die Rate aller Diabetes-assoziierten Komplikationen war um ein Drittel gegenüber der konventionellen Therapie verringert (Diabetes-bedingte Todesfälle minus 42 Prozent; Gesamtmortalität minus 36 Prozent). Metformin übertraf auch die positiven Effekte der Sulfonylharnstoffe und von Insulin.

Überaschend schlecht schnitt jedoch die Kombination von Sulfonylharnstoffen und Metformin ab: In einer Ergänzungsstudie mit 537 Patienten erhöhte die Kombination das Sterberisiko. Die Gründe dafür sind noch unklar.

Mit dem Blutdruck sinkt das Risiko

In einer weiteren Teilstudie wurde der Blutdruck bei 1148 Hypertonikern mit Captopril oder Atenolol entweder streng (im Mittel auf 144/82 mm Hg) oder nur mäßig gesenkt (auf 154/87 mm Hg). Auch hier zeigte sich: Die strenge Einstellung nützt den Patienten auf der ganzen Linie.

Das Risiko für alle Diabetes-assoziierten Endpunkte sank unter der strikten Blutdruckkontrolle um 24 Prozent, für Todesfälle um 32 und für Schlaganfälle um 44 Prozent. Mikrovaskuläre Erkrankungen, insbesondere am Auge, gingen um 37 Prozent zurück; dies zeigte sich vor allem im verminderten Fortschreiten von Retinopathie und Sehverlust. Zwischen dem ACE-Hemmer und dem Betablocker gab es keinen signifikanten Unterschied in der Langzeitprognose.

Zielwerte für den Alltag

Die Normalisierung des Blutdrucks scheint noch wichtiger als die Blutzuckersenkung zu sein und ihre positiven Effekte zeigen sich früher, resümiert Professor Carl Erik Mogensen im Editorial des British Medical Journal, in dem die Teilstudien zur Blutdrucksenkung veröffentlicht sind. Er favorisiert eine frühzeitige antihypertensive Therapie bei Patienten mit Mikroalbuminurie, auch wenn diese noch einen normalen Blutdruck haben. Das Ziel sollte etwa bei 140/85 mm Hg liegen - oder sogar noch tiefer.

Für den "Langzeitblutzucker", das glykosylierte Hämoglobin HbA1C, gibt Mogensen einen Wert von 7 Prozent oder tiefer an. Normal sind Werte zwischen 4,5 und 6,2 Prozent. Einen Grenzwert nach unten scheint es nicht zu geben, zumindest hat die Studiengruppe keinen gefunden. Daraus folgerte der Studienleiter Professor Robert Turner gegenüber der Ärztezeitung: "Je niedriger die Blutglucose eingestellt werden kann, um so besser für den Patienten."

PZ-Artikel von Brigitte M. Gensthaler, München

Top

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
[email protected]

Mehr von Knigogo

http://anabolik-store.com

Anhui Anke Biotechnology

buy Methandrostenolone