Knigogo online

Jugendliche vergifteten sich mit Stechapfeltee

09.11.1998
Datenschutz bei der PZ

-Pharmazie

Govi-Verlag

Jugendliche vergifteten sich mit Stechapfeltee

dpa. Insgesamt neunzehn Jugendliche haben sich mit einem selbstgekochten Tee aus Stechapfel (Datura stramonium) zum Teil schwer vergiftet. Die fünfzehn und sechzehn Jahre alten Schüler wurden am 28. Oktober in Krankenhäuser in Waren und Plau in Mecklenburg-Vorpommern eingeliefert. Inzwischen seien die Kinder außer Gefahr, so die zuständigen Ärzte.

"Seit etwa einem Jahr wurden mehrfach Jugendliche, die sich aus Datura einen Tee gekocht haben, bei uns eingeliefert", berichtete der Chefarzt der Warener Kinderklinik. Versuche, die Pflanze als Droge in Form von Tees zu mißbrauchen, seien üblich.

Zubereitungen aus dem Stechapfel können Verwirrtheit, Delirium und Gedächtnisschwund hervorrufen und im Extremfall sogar zu bleibenden Hirnschäden führen. Vor allem der Inhaltsstoff Scopolamin steigert die Herzfrequenz, das Sichtfeld wird getrübt und die Pupillen erweitert. Die Körpertemperatur steigt und es kommt zu Mundtrockenheit. "Der Stechapfel führt normalerweise nicht zu lebensbedrohlichen Vergiftungen", sagte Professor Dr. Michael Lentze von der Vergiftungsinformationszentrale des Landes Nordrhein-Westfalen an der Universitätskinderklinik Bonn. Bei hohen Dosierungen könne das Gift aber epileptische Krämpfe verursachen. Als Folge seien Sauerstoffmangel im Gehirn und damit bleibende Hirnschäden möglich.

Der Stechapfel war in Europa wichtiger Bestandteil sogenannter Hexensalben sowie Zauber- und Liebestränke. Bei den Inkas und im alten Indien spielte er als Götterdroge eine wichtige Rolle, war aber nur Eingeweihten vorbehalten. Aufgrund seiner starken Giftigkeit wurde er in der Medizin zunächst wenig genutzt. Später setzte man Stechapfel-Zubereitungen als krampflösendes Mittel bei Asthma und Keuchhusten an. Die Bewußtseinstrübung und ein fehlende Erinnerung an das Rauscherlebnis machen Scopolamin jedoch als Droge wenig attraktiv.
Datura stramonium gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Seine Merkmale sind große hängende Blüten in weiß, gelb, rosa oder orangerot und stachelige Früchten. Mehr als 20 verschiedene Arten wachsen in gemäßigten, subtropischen und tropischen Zonen. Die bekannteste Art ist die aus Mexiko stammende Engelstrompete. Stechapfelblätter und -samen sowie ihre Zubereitungen sind verschreibungspflichtig.Top

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
[email protected]

Mehr von Knigogo

Novo Nordisk

steroidi legali

British Dragon Pharmaceuticals