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Medizin

24.11.2003
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Erste Aids-Professur in Deutschland

von Christina Hohmann, Frankfurt am Main

Als erste Hochschule in Deutschland hat die Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität eine Professur für HIV/Aids eingerichtet. Dies soll sowohl die Ausbildung junger Mediziner auf diesem Gebiet verbessern als auch die Erforschung der antiretroviralen Therapie und ihrer Komplikationen vorantreiben.

„Forschung und Lehre auf diesem Gebiet sowie die Versorgung der Patienten sollen in Frankfurt optimale Bedingungen haben“, erklärte der Ärztliche Direktor der Uniklinik, Professor Dr. Roland Kaufmann, auf einer Pressekonferenz. Den Ruf auf die C3-Professur „Klinik und Therapie der HIV-Infektion“ erhielt der Infektionsmediziner Professor Dr. Schlomo Staszewski, der die renommierte HIV-Ambulanz der Uniklinik leitet. „Bisher waren das HI-Virus und Aids nur ein Bestandteil der Vorlesungen“, sagte er. Durch die eigenständige Professur werde die Thematik stark aufgewertet und angehende Mediziner besser in der Behandlung der Patienten ausgebildet.

In Deutschland befasse man sich hauptsächlich mit der Prävention, aber eine ganze Reihe von Menschen sei schon infiziert. Deren Therapie müsse wissenschaftlich überwacht und ständig verbessert werden, sagte Staszewski. Etwa 4000 Patienten werden in der Frankfurter HIV-Ambulanz derzeit behandelt.

Zunehmende Resistenzbildung

In Deutschland ist eine zunehmende Resistenzbildung zu beobachten, so Staszewski. Werden die resistenten Viren auf andere Menschen übertragen, ist bei diesen bereits die Initialtherapie eingeschränkt, erklärte der Mediziner. Ein großes Problem stellen vor allem die so genannten Kreuzresistenzen dar: Die Erreger sind hierbei nicht nur gegen einen, sondern gegen mehrere Wirkstoffe einer Stoffklasse unempfindlich. „Dadurch können Patienten innerhalb kürzester Zeit alle Therapieoptionen verlieren.“ Ein Forschungsschwerpunkt der Uniklinik Frankfurt sei daher die Behandlung von Patienten, die auf die Standardtherapien nicht mehr ansprechen.

Für diese schwer zu behandelnde Patientengruppe suchen Staszewski und seine Mitarbeiter neue Therapiestrategien: Derzeit laufen Studien zu einer Kombination aus zwei Proteinaseinhibitoren. Außerdem untersuchen sie einen als „shift to wildtype“ bezeichneten Ansatz: Wird die medikamentöse Therapie unterbrochen, verlieren die mutierten, resistenten Viren ihren Vorteil gegenüber dem Wildtyp, der sich wieder vermehren kann und die mutierte Form schließlich verdrängt. Setzt die Therapie wieder ein, sind die verbliebenen Viren wieder empfindlich gegenüber den antiretroviralen Medikamenten. Erste Studien zu diesem Ansatz haben gute Ergebnisse geliefert, berichtete Staszewski. Wichtiger noch als innovative Strategien sei allerdings die Entwicklung neuer Wirkstoffe, vor allem aus neuen Substanzklassen wie zum Beispiel den Fusionshemmern. In Frankfurt laufen derzeit einige Studien mit diesen Wirkstoffen. Außerdem forschen die Mediziner an therapeutischen Impfstoffen. Diese sollen nicht die Infektion verhindern, sondern vielmehr das Immunsystem bereits Infizierter in die Lage versetzen, das Virus auch ohne medikamentöse Behandlung unter Kontrolle zu halten.

Ein besonderer Schwerpunkt der HIV-Ambulanz liegt auf der komplizierten Therapie von HIV-infizierten Schwangeren. Sie soll eine Übertragung des Erregers auf das Kind verhindern und die Virusreplikation unterdrücken, ohne dem Kind zu schaden, erklärte Staszewski. 120 Schwangerschaften habe er in den vergangenen zwei Jahren betreut. „Nur bei zweien ließ sich die Transmission der Viren nicht verhindern.“ In Deutschland werden jedes Jahr zehn bis zwanzig Kinder geboren, die sich im Mutterleib infiziert haben, berichtete Dr. Ulrich Marcus vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Weltweit sind jährlich laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 800.000 Kinder betroffen.

Die Frankfurter Mediziner sind sich auch ihrer sozialen Verantwortung bewusst. „Allein in 2002 infizierten sich 3,5 Millionen Menschen im südlichen Afrika mit HIV, aber nur 53.000 behandlungsbedürftige Patienten haben Zugang zu antiretroviralen Medikamenten“, erklärte Staszewski. Um einen Beitrag zur Bekämpfung von Aids in der Dritten Welt zu leisten, starten die Mediziner ein Programm, das afrikanische Ärzte und Krankenschwester speziell in der Therapie von HIV-Infizierten ausbildet.

 

Welt-Aids-Tag 2003PZ  Am Welt-Aids-Tag, dem 1. Dezember, ruft die internationale Welt-Aids-Kampagne zum Engagement gegen Diskriminierung und für Solidarität mit den Betroffenen auf. Unter dem Motto „Live and let live“ will die Kampagne auf Ausgrenzung von sexuellen, ethnischen oder kulturellen Minderheiten und deren negativen Folgen aufmerksam machen.

In den vergangenen Jahren erkrankten in Deutschland immer mehr Migranten und Migrantinnen an Aids. Ein Grund hierfür ist, dass Sprachbarrieren und die rechtliche Situation sowie Diskriminierung ihnen den Zugang zu Informationen über HIV und Aids und zu einer Behandlung erschweren. In ihrem eigenen kulturellen Umfeld ist Aids meist ein Tabuthema, weshalb sie sich nicht trauen, sich beraten oder testen zu lassen. Viele Migranten suchen daher erst einen Arzt auf, wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist.

Unter dem Motto „Ausgrenzung abwehren“ beteiligt sich die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) e. V. zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an den weltweiten Aktionen zum Welt-Aids-Tag. Unterstützt werden sie dabei von vier Abwehrspielern des FC Bayern München, den Nationalspielern Robert Kovac (Kroatien), Owen Hargreaves (England), Sammy Kuffour (Ghana) und Willy Sagnol (Frankreich).

„Diskriminierung erschwert den Umgang mit der Epidemie und auch die Aufklärung, und sie verstärkt die Wucht, mit der Aids Einzelne, Familien, Gesellschaften und ganze Regionen trifft“, erklärt DAH-Geschäftsführerin Hannelore Knittel. In Deutschland sei man bisher erfolgreich gegen Ausgrenzung von HIV-Positiven und Aidspatienten vorgegangen, doch man dürfe sich nicht auf diesen Erfolgen ausruhen. Knit „Diskriminierung ist immer noch ein Problem.“ Jeder Einzelne sei gefragt und könne sich ehrenamtlich oder durch finanzielle oder politische Unterstützung engagieren. „Ausgrenzung abzuwehren fängt schließlich bei uns selbst an.“

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