Knigogo online
Gesundheitstextilien

Integrierte Sensoren und Anti-Keim-Ausrüstung

Ein Verbund von Firmen und Forschern entwickelt in Sachsen hochwertige Medizintechnik aus Textilien. Künftig soll das Projekt vom Bund gefördert, über die Landesgrenzen ausgeweitet und Prototypen marktreif gemacht werden.
dpa
Julia Endris
22.05.2019
Datenschutz bei der PZ

Sachsens Wirtschaftsminister setzt sich auf ein Bett und auf dem Bildschirm am Kopfende schaltet ein zuvor rotes Viereck auf grün: Eine intelligente Matratzenauflage mit integrierten optischen Fasern hat die Bewegung von Martin Dulig erkannt und registriert. Das sensorische System für die Pflege in Heimen, Kliniken oder auch zu Hause wurde vom  Sächsischen Textilforschungsinstitut (SFTI) in Chemnitz entwickelt. Ein Display zeigt an, wie oft sich eine pflegebedürftige Person in einem bestimmten Zeitraum bewegt beziehungsweise ob sie das Bett verlassen hat. Die Anzeige visualisiert damit die Veränderungen der Lichtintensität in den Biegungen der lichtwellenleitenden Fasern der Auflage. 

Das SFTI gehört wie Biehler Sportswear, Spengler & Fürst oder das Strumpfwerk Lindner zu den rund 20 Firmen und Partnern im Verbundprojekt »health.textil 4.0«. Es wurde 2017 vom Verband der Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti) initiiert und wird seither vom sächsischen Wirtschaftsministerium mit 200.000 Euro gefördert. Da die Förderung ausläuft, soll das Bundeswirtschaftministerium die Förderung in gleicher Höhe ab Juli übernehmen. Mit den neuen Geldern soll das Projekt auf andere Bundesländer und Tschechien ausgeweitet werden. Man habe jetzt drei Aufgaben: Das Projekt bekanntmachen, mit der Gesundheitswirtschaft ins Gespräch kommen und Akquise-Finanzierung für die Firmen, erläutert Projektmanager Johann Varga

Charité und Uniklinik

Der Radsport-Ausrüster Biehler Sportswear mit Sitz im Landkreis Zwickau hat ein Shirt entwickelt, das über sechs Sensoren Vitalfunktionen wie Puls, Hautfeuchtigkeit oder Temperatur erfasst. Die Daten werden auf eine App im Smartphone übertragen und sollen nicht etwa der Trainingsoptimierung von Profiradlern, sondern der medizinischen Überwachung von kranken Menschen dienen.

Ebenso wie von der intelligenten Matratzenauflage gibt es davon bisher nur Prototypen. Beide Erfindungen werden an der Berliner Charité einem Langzeittest unterzogen. »Wir sind guter Dinge, dass wir nächstes Jahr mit der Produktion in Serie gehen können«, sagt Biehler-Geschäftsführer Sascha Winkler. Etwas länger wird es dauern, bis die Matratzenauflage auf den Markt kommt, die vor Kurzem EU-Patentschutz erhalten hat. Die Entwicklerin Elke Thiele rechne noch mit etwa 24 Monaten.  

Ein wichtiger Rohstoff für einen Großteil der Gesundheitstextilien ist Silber - auch bei einem Anti-Keim-Stoff, »bacteriaEX« den die Firma Spengler & Fürst in Crimmitschau entwickelt hat. Nach Unternehmensangaben wurde im Labor nachgewiesen, dass multiresistente Keime auf dem Gewebe innerhalb einer Stunde vernichtet werden. Noch bis Ende Juli läuft der Test an der Uniklinik Dresden. Geschäftsführer Eckhard Bräuninger hofft, Ende des Jahres das Produkt auf den Markt bringen zu können. Allerdings ist der mit Silberfäden durchwirkte Stoff nicht billig. Laut Bräuninger würde ein daraus gefertigtes T-Shirt 80 Euro kosten statt 20 Euro.

Mehr von Knigogo