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Tuberkulose-Ausbruch

Mehr als 100 Infizierte und vier Erkrankte an zwei Schulen

Ein Tuberkulose-Ausbruch an Schulen in Bad Schönborn macht Schlagzeilen: Mehr als 100 Menschen haben sich infiziert, vier Personen sind erkrankt. Die Zahl der Infektionen ist hoch, das Auftreten von Tuberkulose in Deutschland an sich aber nicht ungewöhnlich. Etwa 5000 Menschen erkranken jedes Jahr an Tuberkulose.
Christina Hohmann-Jeddi
05.08.2019
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Erreger der Tuberkulose (Tb) ist das Mycobacterium tuberculosis. Es wird in aller Regel durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Meistens betrifft die Tb-Infektion die Lunge, sie kann aber auch in anderen Organen auftreten. In etwa 90 bis 95 Prozent der Fälle gelingt es der Immunabwehr des Patienten, den Erreger in Granulomen einzudämmen. Der Betroffene ist dann zwar infiziert, erkrankt aber nicht. Man spricht von einer latenten Infektion, die jedoch in etwa 10 Prozent der Fälle später in eine aktive Infektion übergeht.

Bei dem aktuellen Ausbruch an der Gemeinschaftsschule im Kreis Karlsruhe waren die erste Erkrankung den »Badischen Neuesten Nachrichten« zufolge vor den Pfingstferien bei einem Achtklässler festgestellt worden und die zweite bei seinem Bruder, der auf eine Grundschule geht. Bei den folgenden Untersuchungen wurde nach eine »hohe Zahl von Ansteckungen« festgestellt – und auch zwei weitere Erkrankungen von Schülern. Alle vier Erkrankten seien auf dem Weg der Besserung. Sie seien gezielt mit einer Antibiotika-Therapie behandelt worden. Auch die Behörde betont: Nicht jeder Infizierte werde auch krank.

Das Landratsamt Karlsruhe rechnet allerdings mit mehr Erkrankungen. »Wir gehen davon aus, dass wir weitere Erkrankungsfälle bekommen können«, sagte Gesundheitsdezernent Knut Bühler gegenüber der Deutschen Presseagentur. Der Schulbetrieb werde nach den Ferien aber ganz normal weitergehen. »Wir haben die Situation im Griff«, betont Bühler. Zwar seien so viele Ansteckungen über alle Klassenstufen hinweg ungewöhnlich, meint Bühler. Tuberkulose-Fälle seien aber normal. Jährlich würden 50 bis 60 Fälle im Landratsamtsbereich verzeichnet. Die hohe Zahl sei durch die Kontakte des Jungen, der »hochansteckend« gewesen sei, und durch die Raumsituation in der Schule erklärbar. So habe es auf einem Flur etwa gemeinsame Wartezeiten der Mitschüler gegeben, erläuterte Bühler. Um auszuschließen, dass unter den Infizierten noch mehr Erkrankte sind, gibt es in den nächsten Wochen weitere Untersuchungen, unter anderem mit Röntgenaufnahmen.

Mehr als 5000 Erkrankungen pro Jahr

In Deutschland erkranken jedes Jahr laut Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) mehr als 5000 Menschen an Tb. Im Jahr 2018 waren es 5429 und 2017 mit 5486 in etwa gleich viele. Ruft eine Infektion eine Erkrankung hervor, ist in fast 80 Prozent der Fälle die Lunge betroffen. Symptome der Lungentuberkulose sind anfänglich Fieber, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost und Nachtschweiß. Bei schweren Verläufen treten auch Husten, Atemnot, Brustschmerzen und Gewichtsverlust auf. Die Erkrankung kann tödlich verlaufen, 2017 starben laut RKI in Deutschland 102 Menschen an den Folgen einer Tuberkulose.

Anhand der Symptomatik und einer möglichen Exposition in der Anamnese wird die Verdachtsdiagnose gestellt. Erhärtet wird die Diagnose durch Bildgebung oder mikrobiologische Untersuchungen des Sputums, eventuell des Liquors oder verdächtig aussehender Hautläsionen. Der bekannte Hauttest, auch Mendel-Mantoux-Test genannt, ist zwar einfach durchzuführen, reicht aber aufgrund niedriger Spezifität und Sensitivität nicht, um die Diagnose zu stellen.

Therapie nach Resistenzlage

Behandelt wird eine Tuberkulose mit einer Kombination verschiedener Antibiotika über mindestens sechs Monate in Abhängigkeit von eventuell vorhandenen Resistenzen. Laut der wird für Patienten ohne Risikofaktoren für eine Resistenz eine initiale Vierfachtherapie mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol über zwei Monate (Initialphase) empfohlen. In der Kontinuitätsphase der Therapie sollen Isoniazid und Rifampicin über weitere vier Monate gegeben werden. In der Regel sind die Arzneimittel gut verträglich, gerade die ersten drei Wirkstoffe können in Kombination aber leberschädigend wirken, weshalb die Hepatotoxizität gerade bei Patienten mit Vorerkrankungen der Leber und bei Älteren im Auge behalten werden sollte.

Vorbehandelte Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Resistenzen gegen Substanzen der Standardtherapie, weshalb sie von Spezialisten behandelt werden sollten. Resistenzen und Unverträglichkeiten erfordern häufig eine verlängerte Therapiedauer. Oft werden dann die Fluorchinolone Moxifloxacin und Levofloxacin in der Kombination mit den anderen Substanzen eingesetzt. Schwierig zu behandeln sind vor allem Erreger, die gegen zwei oder mehr Substanzen der Erstlinientherapie resistent sind. Bei dieser multiresistenten Tb (MDR-Tb) kommen dann die neueren Reserveantibiotika wie Bedaquilin (Sirturo®) und Delamanid (Deltyba®) zum Einsatz.

Obwohl die Tuberkulose gut zu behandeln ist, stellt Mycobacterium tuberculosis mit 10 Millionen Neuerkrankungen und 1,6 Millionen Todesfällen im Jahr 2018 immer noch den tödlichsten Erreger der Welt dar. Um die Epiemie eindämmen zu können, arbeiten Forscher weltweit an Methoden zur Früherkennung und an wirksamen Impfstoffen.

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