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Fremanezumab

Migräne-Antikörper nur alle drei Monate

Mit Fremanezumab ist nun nach Erenumab und Galcanezumab der dritte Antikörper zur Migräneprophylaxe auf dem Markt. Wie seine Mitbewerber darf er bei Betroffenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat eingesetzt werden. Ein Alleinstellungsmerkmal des Neulings ist, dass alternativ zur monat­lichen Dosierung auch eine quartalsweise möglich ist.
Annette Mende
19.06.2019
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Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) ist ein Neuropeptid, das an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Migräneanfällen beteiligt ist. Indem man die Bindung von CGRP an ­seinen Rezeptor blockiert, lassen sich Migräneattacken verhindern. Zwei Anti­körper mit diesem Wirkmechanismus sind bereits auf dem Markt: ­Erenumab (Aimovig®) und Galcanezumab (Emgality®). Nun kam im Mai ein dritter hinzu.

Der humanisierte monoklonale IgG-Antikörper Fremanezumab (Ajovy® 225 mg Injektionslösung in einer Fertig­spritze, Teva) bindet selektiv an CGRP und verhindert dessen Bindung an ­seinen Rezeptor. Er wird wie die beiden Mit­bewerber zur Prophylaxe von Mi­gränekopfschmerz bei Erwachsenen eingesetzt. Alle drei Antikörper werden monatlich subkutan gespritzt, Fremanezumab in der Dosis 225 mg. Ein Alleinstellungsmerkmal des Neulings ist, dass alternativ zur monat­lichen Dosierung auch eine quartalsweise möglich ist. Hierzu werden dem Patienten alle drei Monate jeweils drei Fertigspritzen à 225 mg, also insgesamt 675 mg, an verschiedene Injektionsstellen verabreicht.

Infrage kommen hierfür das Abdomen, die Oberschenkel und die Oberarme, sofern der entsprechende Bereich nicht empfindlich, gerötet oder verhärtet ist oder Hämatome aufweist. Nach einer Einweisung durch das medizinische Per­sonal kann der Patient sich Ajovy selbst spritzen. Hat der Patient zuvor ein anderes Arzneimittel zur Migräneprophy­laxe erhalten, kann diese Therapie begleitend fortgeführt werden.

Breite Zulassung

Die Zulassung enthält keine Einschränkungen hinsichtlich der Vortherapie: Fremanezumab darf bei Patienten mit mindestens vier Migränetagen pro Monat zum Einsatz kommen. Da die Kosten jedoch deutlich über denen von anderen Migräne­prophylaktika wie Beta­blocker, Calciumantagonisten, Antidepressiva oder Antiepileptika liegen, werden die Krankenkassen sie wohl erst bei Versagen der genannten Alternativen erstatten. In jedem Fall soll der behandelnde Arzt den Nutzen der Therapie mit Fremanezumab laut Fach­information innerhalb von drei Monaten nach Behandlungsbeginn bewerten. Auch danach sollte die Notwendigkeit der Behandlung regelmäßig beurteilt werden.

Zulassungsrelevant waren die beiden doppelblinden zwölfwöchigen Studien HALO-EM und HALO-CM. An ersterer nahmen 875 Patienten mit episodischer Migräne (EM), also mit weniger als 15 Kopfschmerztagen pro Monat, teil. Sie wurden in einen von drei Armen randomisiert: 675 mg Fremanezumab einmal alle drei Monate, 225 mg Fremanezumab einmal monatlich oder Placebo monatlich, jeweils als subkutane Injektion. Primärer Wirksamkeitsendpunkt war die mittlere Veränderung der durchschnittlichen monat­lichen Anzahl von Migränetagen. Diese betrug unter Fremanezumab vierteljährlich -3,4, unter Fremanezumab monatlich -3,7 und unter Placebo -2,2; beide Unterschiede zwischen den Verumgruppen und der Placebogruppe waren statistisch signifikant.

HALO-CM schloss 1130 Patienten mit chronischer Migräne (CM), also mindestens 15 Kopfschmerztagen pro Monat, ein. Auch diese Studie war dreiarmig und die Behandlungs­regimes entsprachen denen in HALO-EM. Einziger Unterschied: Die Patienten in der Gruppe mit den monatlichen Fremanezumab-Injektionen erhielten als Startdosis 675 mg und erst danach 225 mg pro Dosis. Primärer Endpunkt war die mittlere Veränderung der durchschnittlichen monatlichen Kopfschmerztage mit mindestens mäßigem Schweregrad. Diese betrug unter Fremanezumab vierteljährlich -4,3, unter Fremanezumab monatlich -4,6 und unter Pla­cebo -2,5 (Unterschiede zwischen den Verumgruppen und der Placebogruppe statistisch signifikant). In beiden Stu­dien trat die Wirkung schnell, das heißt innerhalb einer Woche, ein und wurde über den gesamten Studienzeitraum aufrecht­er­halten.

Häufigste unerwünschte Wirkungen waren Reaktionen an der Injek­tionsstelle: Schmerzen (24 Prozent), Verhärtung (17 Prozent), Erythem (16 Prozent) und Juckreiz (2 Prozent). Alle lokalen Reaktionen gingen vorüber und waren vorwiegend schwach bis mäßig ausgeprägt. Sie erforderten im Allgemeinen kein Absetzen des Arzneimittels.

Da keine Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft vorliegen, soll die Anwendung von Fremanezumab bei Schwangeren sicherheitshalber vermieden werden. Dasselbe gilt für die ersten Tage nach der Entbindung, da IgG-Antikörper in diesem Zeitraum in die Muttermilch übergehen. Auch ­danach sollte eine Anwendung während der Stillzeit nur in Betracht gezogen werden, falls es klinisch erforderlich ist.

Charge dokumentieren

Ajovy ist im Umkarton im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu ­lagern. 24 Stunden lang ist die Aufbewahrung bei bis zu 25 °C möglich; nach einer länger dauernden Lagerung außerhalb des Kühlschranks ist das Arzneimittel zu entsorgen. Um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten, sind Name und Chargen­nummer des verabreichten Produkts eindeutig zu dokumentieren.

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