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Neue Daten zu Hepatitis B, C und D in Deutschland

Ob Hepatitis B, C oder D – die Zahlen zu allen Infektionen sind in den vergangenen Jahren angestiegen. Das zeigen die neuen Daten, die das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin nun in zwei Ausgaben des »Epidemiologischen Bulletins« (Nummer 29 und 30) vorstellt.
Christina Hohmann-Jeddi
26.07.2019
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Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am 28. Juli, der auf Risiken, Schutz- und Behandlungsmöglichkeiten von Hepatitis-Infektionen aufmerksam machen soll, stellen Wissenschaftlerinnen die aktuelle Situation bei Hepatitis in Deutschland vor. Demnach wurden im Jahr 2018 insgesamt 4.507 neu diagnostizierte Hepatitis-B-Fälle übermittelt, und damit 885 Fälle mehr als im Vorjahr (fast 20 Prozent Steigerung). »Dies entsprach einer bundesweiten Inzidenz von 5,4 gemeldeten Infektionen pro 100.000 Einwohnern und somit einem Anstieg zum Vorjahr (2017: 4,3/100.000 Einwohner)«, heißt es in der Publikation.

Insgesamt wurde zwischen den Jahren 2001 und 2009 ein Rückgang der übermittelten HBV-Infektionen beobachtet. Dieser Trend stagnierte mit geringen Schwankungen zwischen 2009 und 2014. Seit 2015 haben die offiziellen Fallzahlen deutlich zugenommen. Insgesamt sind mehr Männer als Frauen betroffen, die meisten Infektionen kommen in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren vor. Gegen die Infektion mit dem DNA-Virus aus der Familie der Hepadnaviridae gibt es eine Schutzimpfung.

Hepatitis D kommt in Deutschland deutlich seltener vor. Der Erreger ist ein RNA-Virus, das das Hepatitis-B-Virus zu seiner Vermehrung braucht. Es kommt daher nur in Koinfektionen mit diesem vor und beschleunigt den Krankheitsverlauf. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland insgesamt 59 Infektionen mit Hepatitis D übermittelt, 25 Fälle mehr als im Vorjahr. Seit 2014 war die Zahl der Meldungen, die die Falldefinition erfüllen, kontinuierlich gestiegen, heißt es vom RKI. Das liege aber auch mit der Änderung der Falldefinition zusammen.

Mehr Hepatitis-C-Fälle

Auch bei Hepatitis C war in den vergangenen Jahren ein Anstieg zu bemerken: Die Zahl der neu entdeckten Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) stieg von 4447 im Jahr 2016, auf 4802 Fälle in 2017 und 5.891 Fälle im Jahr 2018. Der wichtigster Übertragungsweg war der intravenöse Drogengebrauch, schreibt das RKI. Der Großteil der Infektionen wurde vermutlich in Deutschland erworben. Auch hier lag bei Männern eine deutlich höhere Inzidenz vor als bei Frauen. Der Häufigkeitsgipfel lag in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre.

Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus verlaufen in den meisten Fällen chronisch und zählen zu den wichtigsten Ursachen von Leberzirrhose und Leberkrebs. Es existiert kein Impfstoff; doch ist mit den neuen Medikamenten seit einigen Jahren eine Heilung möglich. Das Resümee der Autorinnen zu HCV: »Deutschland hat sich den Eliminationszielen viraler Hepatitis der WHO bis 2030 verschrieben. Um diese zu erreichen, besteht Verbesserungsbedarf bei der Fallfindung, Prävention und Behandlung insbesondere von besonders betroffenen Gruppen, die in der Regel marginalisiert und schwer zu erreichen sind: Drogengebrauchende, Inhaftierte, Migranten aus Ländern mit hoher Prävalenz.«

Insgesamt erschwere die hohe Dunkelziffer die Elimination der HCV-Infektionen in Deutschland betont auch die Deutsche Leberstiftung in einer Pressemitteilung. Sie fordert mehr niedrigschwellige Test- und Therapieangebote, um alle Betroffenen zu erreichen.

Auch Zunahme bei Hepatitis A und E

Die Erreger von Hepatitis A und E werden nicht durch Blut- oder Sexualkontakt übertragen, wie die Hepatitis-Viren B, C und D, sondern über kontaminierte Lebensmittel oder Trinkwasser. Sowohl bei Hepatitis A als auch bei Hepatitis E war in den vergangenen Jahren ein Anstieg zu beobachten. Im Jahr 2017 waren 1.232 Hepatitis-A-Fälle nach Referenzdefinition an das RKI übermittelt worden, heißt es im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch für 2017. Dies sei ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr mit 736 Fällen. In den Jahren zuvor hatte die Zahl der Infektionen aber abgenommen. Gegen Hepatitis A kann geimpft werden.

Bei Hepatitis E nehme seit Jahren die Zahl der Infektionen stetig zu. Sie stieg von etwa 500 im Jahr 2003 auf 1.991 in 2016. Im Jahr 2017 traten insgesamt 2.943 Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus auf, das zur Familie der Hepeviridae zählt, heißt es vom RKI. Der rasante Anstieg gehe aber vermutlich auf eine zunehmende Bekanntheit des Erregers bei Medizinern zurück, erklären Experten vom Universitätsklinikum Münster (UKM) in einer Mitteilung. Ihnen zufolge könne die Zahl der Neuinfektionen deutlich höher, bei etwa 300.000 pro Jahr liegen, von denen nur ein Bruchteil diagnostiziert werde.

Die in Deutschland gemeldeten symptomatischen Infektionen betreffen zu etwa drei Vierteln Personen über 40 Jahren und zu etwa zwei Dritteln Männer, informiert das RKI. Todesfälle im Zusammenhang mit Hepatitis-E-Infektionen sind in Deutschland sehr selten. Nicht durchgegartes Fleisch von Schwein oder Wildschwein gilt als Hauptinfektionsquelle für Hepatitis E in Deutschland.

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