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Risankizumab

Neuer IL-23-Antikörper bei Psoriasis

Mit Risankizumab (Skyrizi™ 75 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze, Abbvie) kam nach Guselkumab (Tremfya®, Janssen-Cilag) und Tildrakizumab (Ilumetri®, Almirall) nun der dritte Psoriasis-Antikörper auf den Markt, der an Interleukin-23 (IL-23) bindet. Wie seine Mitstreiter ist Skyrizi indiziert bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie infrage kommen.
Kerstin A. Gräfe
05.07.2019
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Das Zytokin IL-23 spielt eine bedeutende Rolle im Entzündungsgeschehen der Schuppenflechte. Es aktiviert eine bestimmte Subpopulation von T-Zellen (TH1 und TH17), die TNF-α-vermittelt die Entzündung bei Psoriasis triggern. Wie seine Mitstreiter ist Skyrizi indiziert bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie infrage kommen.

Die empfohlene Dosis beträgt 150 mg Risankizumab, aufgeteilt in zwei subkutane Injektionen mit jeweils 75 mg. Nach vier Wochen wird die Gabe wiederholt und danach werden 150 mg nur noch alle zwölf Wochen appliziert. Bei Patienten, die nach 16 Behandlungswochen kein Ansprechen zeigen, ist ein Absetzen des Antikörpers in Erwägung zu ziehen. Nach einer entsprechenden Schulung können sich die Patienten den Antikörper selbst verabreichen. Sie sollten dabei Spritzstellen wählen, die frei von Schuppenflechte sind, und die Injektionsstellen immer wechseln.

Risankizumab kann das Infektions­risiko erhöhen. Bei Patienten mit einer chronischen Infektion, einer rezidivierenden Infektion oder bekannten Risikofaktoren für eine Infektion in der Anamnese ist der Antikörper mit Vorsicht anzuwenden. Bei Patienten mit klinisch relevanten aktiven Infektionen ist er kontraindiziert. Mit einer Behandlung sollte erst begonnen werden, wenn die Infektion abgeklungen ist oder eine angemessene Behandlung erfolgt ist.

Vor Beginn der Behandlung sind die Patienten auf eine Tuberkulose (TB)-Infektion zu untersuchen; während der ­Behandlung müssen sie auf Anzeichen und Symptome einer aktiven TB überwacht werden. Bei Patienten mit latenter oder aktiver TB in der Anamnese, bei denen nicht bestätigt werden kann, dass sie eine angemessene Behandlung erhalten haben, ist vor Einleitung der Behandlung mit Risankizumab eine Anti-TB-Therapie in Erwägung zu ziehen.

Impfstatus aktualisieren

Vor Therapiestart sollte der Impfstatus aktualisiert werden. Wenn ein Patient eine Lebendimpfung erhalten hat, wird empfohlen, mindestens vier Wochen mit dem Beginn der Behandlung mit Risankizumab zu warten. Patienten, die mit dem Antikörper behandelt werden, dürfen während der Behandlung und mindestens 21 Wochen nach der Behandlung keine Lebendimpfstoffe erhalten.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und für mindestens 21 Wochen nach der Behandlung zuverlässig verhüten. Als Vorsichtsmaßnahme sollte die Anwendung von Skyrizi in der Schwangerschaft vermieden werden. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen unterbrochen oder ob auf den Antikörper verzichtet wird. Das Präparat wird im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C gelagert.

Die Wirksamkeit und Sicherheit wurde in vier klinischen Phase-III-Studien mit insgesamt mehr als 2000 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis untersucht: UltIMMa 1, UltIMMa 2, IMMvent und IMMhance. Die koprimären Endpunkte aller vier Studien waren der PASI 90 und der ­sPGA-Score. PASI steht für Psoriasis Area and Severity Index und ist ein ­etabliertes Maß zur Beurteilung des Verbesserungsgrades. Eine PASI-90-­Reduktion entspricht einer Symptomverbesserung der Haut um 90 Prozent vom Ausgangswert. Der sPGA-Score (static Physician Global Assessment) dient als standardisierte globale Einschätzung der Schwere der Psoriasis.

In der IMMvent-Studie zeigte sich ­Risankizumab dem TNF-α-Blocker Adalimumab überlegen: Nach 16 Wochen erreichten 72 Prozent der Patienten PASI 90 gegenüber 47 Prozent der Pa­tienten unter Adalimumab (p < 0,001). Patienten, die unter Adalimumab nach 16 Wochen einen PASI zwischen 50 und 90 hatten, wurden erneut randomisiert und erhielten dann bis Woche 44 entweder Risankizumab oder erneut Adalimumab. 66 Prozent der Patienten, die von Adalimumab auf Risankizumab umgestellt worden waren, erreichten in Woche 44 PASI 90, verglichen mit 21 Prozent, die die Behandlung mit Adalimumab fortgesetzt hatten (p < 0,001).

Die IMMhance-Studie verglich den neuen Antikörper mit Placebo. Nach 16 Wochen erreichten unter Risankizumab 73 Prozent der Patienten ein PASI-90-Ansprechen gegenüber 2 Prozent in der Placebogruppe. Einen sPGA von erscheinungsfrei oder nahezu erscheinungsfrei wiesen 84 der Risankizumab-Probanden und 7 Prozent der Patienten aus der Placebogruppe auf.

Ustekinumab als Referenz

An den beiden Replikationsstudien ultIMMa-1 und -2 nahmen knapp 1000 Probanden teil. Sie wurden im Verhältnis 3:1:1 randomisiert und mit Risankizumab 150 mg, Ustekinumab 45  mg beziehungsweise 90 mg oder Placebo behandelt. Einen PASI 90 erreichten in Woche 16 in UltIMMa-1 unter Risankizumab 75 Prozent der Patienten, unter Ustekinumab 42 Prozent und unter Placebo 5 Prozent. Einen sPGA von erscheinungsfrei oder nahezu erscheinungsfrei wiesen 88 Prozent der Risankizumab-Probanden auf, 63 Prozent der Ustekinumab-Patienten und 8 Prozent der Placebogruppe. UltIMMa-2 bestätigte die Ergebnisse.

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Infektionen der oberen Atemwege, die bei 13 Prozent der Patienten auftraten.

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